RECHTZEITIG STARTEN

Während bei Typ-1-Diabetes der sofortige Beginn einer Insulintherapie nötig und lebensrettend ist, gelingt dem Körper bei Typ-2-Diabetes bei Diagnose meist noch eine gewisse Eigenproduktion des Insulins, sodass der Goldstandard der anfänglichen Therapie aus Ernährungs- und Lebensstiländerung sowie Metformin besteht.

Doch Typ-2-Diabetes ist eine chronisch-progrediente Erkrankung, charakterisiert durch unterschiedlich stark ausgeprägte Insulinresistenz und mit der Zeit nachlassende Betazell-Funktion. Dies führt dazu, dass im natürlichen Verlauf der Krankheit der Zeitpunkt kommt, dass auch bei Typ-2-Diabetes Insulin gebraucht wird, um den Blutzucker unter Kontrolle zu halten. Dieser Moment ist aufgrund der Pathophysiologie der Krankheit jedoch weniger eindeutig bestimmbar als bei Typ-1-Diabetes und sollte, wie die gesamte Diabetestherapie, individuell von Arzt und Patient gemeinsam festgelegt werden.

Betazellen funktionieren am besten im physiologischen Blutzuckerbereich. Nur bei einem Blutzucker von ≤ 100 mg/dl (5,6 mmol/l) können die Betazellen den Insulinbedarf nach Mahlzeiten effektiv decken.1 Daher sollte es oberstes Ziel sein, normnahe Nüchternblutzucker-Werte zu erreichen und langfristig zu halten. Dabei spielt die Gabe eines Basalinsulins eine wichtige Rolle. Eine frühe und konsequent zielwertorientierte Therapie kann damit spätere Folgeschäden vermeiden.2

In Deutschland haben Menschen mit Typ-2-Diabetes bei Beginn einer Insulintherapie im Mittel einen HbA1c-Wert von 8,4 %.3 Dies ist nach Meinung von Experten ein klares Zeichen dafür, dass zu lange mit dem Start der Insulintherapie gewartet wurde. Auch das Hinauszögern einer nötigen Therapieintensivierung oder eine unzureichende Titration führt letztlich dazu, dass die Hälfte aller Diabetespatienten den angestrebten HbA1c-Wert nicht erreicht.4

Diese Patienten profitieren daher nicht in vollem Maße von einer Insulintherapie und haben mit den Folgen zu hoher Blutzuckerwerte zu kämpfen, die potenzielle Auswirkungen auf das Risiko für langfristige Folgeerkrankungen haben.5 Denn das Hauptproblem bei der Behandlung des Diabetes sind sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetespatienten die Folgeerkrankungen und Spätkomplikationen. Sie umfassen Retinopathie, Nephropathie, Neuropathie und Atherosklerose, die wiederum zu einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit führen. Folgeerkrankungen belasten den Patienten und sind die eigentlichen Kostentreiber des Diabetes.6

Langzeitstudien wie DCCT/EDIC bei Typ-1-Diabetes und UKPDS bei Typ-2-Diabetes haben gezeigt, dass eine gute Blutzuckereinstellung Diabetesfolgen signifikant reduzieren kann. So korreliert bei Typ-2-Diabetespatienten eine HbA1c-Senkung um 1 % mit einer Reduktion des Risikos für Folgeerkrankungen und Spätfolgen um 14–43 %.5

Letzte Aktualisierung: 26.05.2020

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REFERENZEN

1 Pratley RE & Weyer C. Diabetologia 2001; 44: 929–45;
2 Hanefeld M et al. Diabetes Ther 2016; 7: 187–201;
3 Kostev K et al. Prim Care Diabetes 2013; 7: 229–33;
4 Stark Casagrande S et al. Diabetes Care 2013; 36: 2271–9;
5 Stratton IM et al. BMJ 2000; 321: 405–12;
6 Ward A et al. J Med Econ 2014; 17: 176–83.

SADE.TJO.18.09.2559